Interview Hof-Lebensparadies

Lieber Toni, bitte stelle dich und den Hof-Lebensparadies vor.
Wir, Yvonne und Toni Kathriner, führen mit unseren vier Kindern den Hof-Lebensparadies in Wald, im Zürcher Oberland. Auf unserem Lebenshof erleben alle Tiere ein friedliches Zusammensein von Mensch und Tier. Wir sind beide als Bauernkinder auf Höfen mit Milchwirtschaft aufgewachsen. Nachdem wir 2010 den Hof von Yvonnes Eltern übernommen hatten, sind wir vor gut drei Jahren komplett aus der Tiernutzung ausgestiegen. Ein neuer und bis dato praktisch unbekannter Weg für einen Vollerwerbsbetrieb in der Schweiz.


Was hat euch dazu gebracht, diesen Schritt zu gehen?
Ein Aufwachprozess, der vor einigen Jahren schon eingesetzt hat, wohl nie zu Ende ist und immer weiter geht. Als Suchende von wahrem Wissen haben wir uns grundlegende Fragen gestellt, über unser Sein, unser Leben, den Sinn und Grund, warum solche Zustände herrschen auf dieser Welt. Wenn die innere Bereitschaft da ist, der Wahrheit in die Augen zu schauen, sind grosse Veränderungen möglich. Die Wahrheit schmerzt anfangs immer, doch ist sie unabdingbar, um sich zu befreien. Ja, das absolute Wissen, dass eine Veränderung im Aussen, im Grossen, nur im Innern jedes Einzelnen stattfinden kann.


Wie gross waren die bürokratischen Hürden bei der Umwandlung des klassischen Milchbetriebs zum Lebenshof? Hattet ihr dabei Unterstützung von einer beratenden Stelle?
Die geistige Hürde, etwas Grundlegendes zu verändern, ist für viele Menschen wohl noch viel grösser als die bürkokratische. Wenn man soweit kommt, sein Leben neu auszurichten, sich vollends entschieden hat, seinen Weg zu gehen, kommt ein ganzes Konstrukt ins Wanken, ja es fällt meist zusammen; Ansehen, Freunde, Kollegen, Verdienst, viele materielle Werte fallen weg. Man wird zum Aussenseiter einer ganzen Gesellschaft, in die man vorher integriert war. Viele haben den Mut nicht, solche Schritte zu wagen. Doch wenn man seinem Herzen folgt und seine Lebensaufgaben erkennt, dann kommt auch Hilfe. So haben auch wir das erfahren. Den Bewusstseinswandel mussten wir selbst vollbringen, das kann dir niemand abnehmen. Wir konnten vor etwas mehr als drei Jahren keinem anderen Bauern abschauen, wie ein Lebenshof mit so vielen Kühen aussehen soll und wie alles realisierbar ist. Dies gab es so in der Schweiz noch nicht. Ohne uns da in den Vordergrund stellen zu wollen, leisten wir in diesen Bereichen wohl wertvolle Pionierarbeit. Wir haben die Spitze für andere Bauern, die uns folgen wollen, etwas gebrochen. Nun haben sie ein Beispiel, wie so etwas funktionieren kann. Für den Aufbau von Patenschaften für unsere Tiere fanden wir Hilfe beim gemeinnützigen Verein Hof Narr. Durch ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihr bestehendes Netzwerk und unsere Bereitschaft unsere Neuausrichtung an die Öffentlichkeit zu tragen, konnten rasch viele Menschen erreicht und von Anfang an das wegfallende Einkommen ausgeglichen sowie der Unterhalt der Tiere gesichert werden. In diesem Frühjahr haben wir unseren eigenen Verein gegründet, uns losgelöst und selbstständig gemacht. So ist aus dem ehemaligen «Lebenshof zuKUHnft» der «Hof-Lebensparadies» gewachsen.


Was für Reaktionen erhaltet ihr von anderen Bauern in Bezug auf eure Umstellung vom Milchbetrieb zum Lebenshof?

Wenn eine junge Bauernfamilie, die nur von der Landwirtschaft lebt, als erste einen solch radikalen Wechsel vornimmt in ihrem Leben, dann bläst einem zumal schon ein etwas rauer Wind entgegen. Mit unserem Sein halten wir vielen Menschen – ohne jemanden anzugreifen – den Spiegel hin, nicht nur den Bauern…
Mittlerweile kommen Bauern auf uns zu, mit Fragen, wie sie ihren Hof denn umstellen könnten. Immer wieder erhalten wir Rückmeldungen von Menschen, die ihre Ernährung verändert haben, nachdem sie uns an Besuchstagen zuhören und unsere Tiere erleben konnten. Solche Erlebnisse freuen uns zutiefst und zeigen uns ganz klar, dass es sich lohnt, seinem Herzen zu folgen, die Wahrheit herauszutragen, auch wenn sie oft nicht gerne gehört wird. Ein Leben für die reine Liebe allen Mitgeschöpfen gegenüber ist stärker als alle alten Prägungen und Programmierungen. Die Wirkung der Liebe ist grenzenlos und überdauert alles andere. Die Liebe ist die einzige Wahrheit.

Wie sagte doch Gandhi: «Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich, und dann gewinnst du.»


Der Hof-Lebensparadies hat viele Bewohner. Früher wurde der Lebensunterhalt für alle mit den Einnahmen aus dem Milchbetrieb erwirtschaftet. Von was lebt ihr heute?
Neben unserer sechsköpfigen Familie leben im Moment 42 Kühe, Ochsen und Rinder, zwei Schweine, zwei Ponys, eine Hündin, zwei Katzen, verschiedene Schwalben und andere Vögel, Mäuse etc. auf dem Hof. Wir erschaffen wieder Lebensraum für grosse und kleine Tiere, die diesen so fast nicht mehr finden. Zusätzlich sorgen wir mit unserem Verein «Hof-Lebensparadies» für 20 Rinder und Ochsen von uns, die auf einem anderen Hof ein schönes Leben haben dürfen.

Um auf deine Frage zurück zu kommen: Wir sind nach wie vor ein Landwirtschaftsbetrieb und haben Anspruch auf staatliche Unterstützung für Leistungen, die auf dem Land erbracht werden. Sei es für das was ich anbaue, wie ich etwas anbaue, Bemühungen für mehr Biodiversität, und viele andere Möglichkeiten. Handlungen, die ans Land gebunden sind, werden so ausgeglichen. Wir haben 100 Hochstammbäume mit vorwiegend älteren Obstsorten.

Yvonne und ich führen den knapp 30 Hektare grossen Betrieb zu zweit. Wir haben nicht weniger Arbeit als früher, eher im Gegenteil. Einige Dinge sind weggefallen, und viel Neues ist dazugekommen. Auf einem Bauernhof der offen ist für Neues, gibt es sehr viele Möglichkeiten, das ist uns bewusst. Doch müssen wir immer auch schauen, alles zu schaffen. In meinem Kopf gibt es viele Ideen und Pläne, die sich noch etwas gedulden müssen.

Wie schon erwähnt, bieten wir für die Tiere Patenschaften an. Wir sprechen damit tierliebende Menschen an, die sich freuen und es wichtig finden, dass die Tiere bei uns ein schönes und friedliches Leben führen dürfen. Patenschaften und Spenden helfen uns dabei, den Lebensunterhalt der vielen grossen Tiere zu sichern.
(Anmerkung Vegan People: Interessierte finden die Infos zu Patenschaften & Spenden in der pinken Info-Spalte.)


Was bedeutet euch der Veganismus?
Ich sehe immer wieder, dass praktisch alles umgedreht und verdreht wird. Wahr wird zu falsch, gesund zu ungesund, gut zu böse, und umgekehrt. Und dies nicht erst seit ein paar Jahrzehnten oder Jahrhunderten. Nur weil die Lüge immer wieder unnachgiebig wiederholt wird, wird sie noch lange nicht wahr! So sehe ich das auch mit der veganen Lebensweise. Der göttliche Mensch ist von Natur aus Pflanzenesser und war das auch schon immer. Es ist nicht sonderbar vegan zu leben, sondern wenn man dies nicht tut. Wie mit diesem Thema umgegangen wird, zeigt einfach, wo die heutige Menschheit steht. Vegan zu sein ist für mich einfach ein Puzzlestück, um wieder zu einem liebenden Menschen zu werden, um überhaupt wieder Frieden zu finden, wir alle miteinander. Solange Tiere getötet werden, kann die Menschheit auch keinen Frieden finden. Unsere Schicksale sind unzertrennbar miteinander verbunden. Vegan zu leben ist ein zentraler Punkt für ein liebevolles Miteinander auf der Erde. Und gleichzeitig ist es einfach ein Teil vom Ganzen, um wieder in der Liebe zu sein.


Was war ausschlaggebend für euch, vegan zu leben?
Es war für uns einfach eine Folge vieler Schritte, Erkenntnisse und Aufwachprozesse. Ein anderes, erweitertes Bewusstsein. Dies bedeutet Liebe, Herzöffnung, tiefere Wahrnehmungen. Wenn man einmal erwacht, geht der Prozess unaufhaltsam weiter, ohne Ende. Wir könnten jetzt noch Seiten füllend von der Gesundheit reden. Viele Volkskrankheiten rühren vom Konsum tierischer Produkte. Es ist eben auch hier so, dass alles verdreht wird! «Du bist, was du isst.» heisst es nicht um sonst.


Wo siehst du den Veganismus in der Schweiz in 10 Jahren?

Jede Veränderung, jede Befreiung, alles, steht und fällt mit dem Bewusstsein jedes Einzelnen. Wir haben von unserem Schöpfer den freien Willen erhalten, um für uns selbst zu entscheiden. Erst das macht für mich Sinn, für die Entwicklung im Leben eines Menschen. Es geht nicht um die Masse, es geht um jeden Einzelnen. Deshalb habe ich eingangs unsere Veränderung, die immer weiter geht, so beschrieben. Um Auszudrücken, worauf es aus meiner Sicht ankommt.


Was ich zum Schluss noch sagen möchte:
Auch wenn mich diese spürbare Veränderung in der Landwirtschaft sehr freut, möchte ich ganz klar darauf hinweisen, dass das grosse Tierleid nicht nur an den Bauern hängt. Ein Beispiel ist die Milchindustrie: In den letzten zwei Jahrzehnten haben viele Bauern aus wirtschaftlichen Gründen mit Melken aufgehört. Und doch ist gesamtschweizerisch in den vergangenen zwei Jahren so viel gemolken worden wie nie zuvor. Es gibt immer weniger Bauern und die bestehenden Höfe werden immer grösser. Sie halten immer mehr Tiere, auch die Leistung wird durch unnatürliche Fütterung und die Genetik immer weiter vorangetrieben. So ändert sich für die Tiere nicht viel zum Besseren! Die grösste Macht liegt bei den Konsumenten! Wenn keine Nachfrage nach tierischen Produkten mehr da ist, hört alle Qual sehr schnell auf! Jeder Mensch muss sich seiner Verantwortung bewusst sein. Wenn wir Frieden wollen, müssen wir es auch leben. Ich trage die Vision vom Paradies fest in mir und mit meinem täglichen Handeln nähre ich sie und verwirkliche ich sie Stück für Stück.

INFOs

Name: Toni Kathriner       

Alter: 45 Jahre

Meine Firma: Hof-Lebensparadies in Wald ZH

Veganes Lieblingsprodukt Food: Wildkräuter, Früchte vom Hof, Selbstgemachte Gemüseburger

Veganes Lieblingsprodukt Non-Food: Kleider aus Leinen

Patenschaft & Unterstützung

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Verein Hof-Lebensparadies
Hüeblistrasse 99
8636 Wald ZH
IBAN: CH03 0873 1561 2370 4200 1
BIC/SWIFT: LINSCH23
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